ZUR AKTUELLEN DISKUSSION ÜBER HOMOPHOBIE IM STADION

Das Netzwerk Fußballfans gegen Homophobie thematisiert schon seit einiger Zeit die vorherrschende Homophobie in der österreichischen Fußballwelt. Leider wurde unser Anliegen bis vor Kurzem noch nicht breiter in der Öffentlichkeit diskutiert. Durch verschiedene Transparente und Sprechchöre hat es das Thema nun in die Medien geschafft.
Wir beteiligen uns an diesem gegenwärtigen Diskurs und möchten euch ein paar Antworten auf Fragen geben, die immer wieder in der Diskussion auftauchen.

„Geh bitte, hamma keine anderen Probleme?“

Doch, z.B. willkürliche Stadionverbote, zunehmende Überwachungsmaßnahmen durch Polizei, Verbände und Vereine, Kollektivstrafen gegen Fans, eine zunehmende Kommerzialisierung des Fußballsports, Pauschalurteile gegenüber Fußballfans in den Medien wie z.B.: „Fußballfans sind gewalttätig“. Viele Themen sind wichtig, wir als Fußballfans gegen Homophobie widmen uns eben hauptsächlich diesem Thema. Wir sind uns der vielen anderen Probleme bewusst und stehen für eine kritische Fankultur, die sich an gesellschaftlichen Entwicklungen aktiv beteiligt und nicht passiv alles mit sich machen lässt.

„Das gibt‘s schon seit 30 Jahren, warum ist es jetzt auf einmal ein Problem?“

Homophobie ist schon lange ein Problem im Fußballstadion, jedoch wurde es lange unter den Tisch gekehrt oder nicht als solches gesehen, daher wurde die Thematik von der Öffentlichkeit lange Zeit nicht wahrgenommen. Es gibt jedoch einige Fans, die schon länger versuchen Homophobie im Fußball zu bekämpfen. Viele Vereine, Verbände und Medien werden erst jetzt darauf aufmerksam. Wir finden es gut, wenn nun breit über Homophobie im Fußball diskutiert wird. Außerdem verändert sich eine Gesellschaft und nur, weil etwas seit vielen Jahren als Normalzustand akzeptiert wird, heißt es nicht, dass es immer so bleiben muss.

„Fußball ist halt ein Proletensport, da ist das halt so. Im Stadion ist der Ton eben rauer.“

Nur weil Fußball laut Vorurteilen als Proletensport gesehen wird, ist dies keine Legitimation, warum Homophobie in diesem Rahmen in Ordnung sein soll. Und auch wenn der Ton rauer ist, kann es auch ein rauer Ton ohne Homophobie sein. Natürlich macht es einen Unterschied, ob jemandem in der Hitze des Spiels „Du Woarma, steh auf!“ rausrutscht oder ob man organisiert als Gruppe ein Spruchband mit homophobem Inhalt zeigt. Das Schimpfen am Fußballplatz soll seinen Platz haben, aber es ist auch möglich, dies mit Hilfe von Ironie zu tun. Es ist auch möglich zu schimpfen, ohne ganze Menschengruppen zu diskriminieren.

„Ok, aber warum wird das immer nur bei Rapid thematisiert?“

Rapid ist der größte österreichische Fußballverein mit den meisten Fans. Natürlich steht Rapid mehr im Fokus als Kapfenberg oder Admira. Homophobe Sprechchöre und Spruchbänder gab es in den letzten Jahren aber leider bei etlichen Vereinen. Diese Entgleisungen haben es leider nicht in die Medien geschafft, da sich damals niemand dafür interessiert hat. Wir als Fußballfans gegen Homophobie machen da keinen Unterschied.

„Meinungsfreiheit! Solange sie nix rein werfen, passt das schon.“

Nein, das passt nicht! Zur Meinungsfreiheit gehört es eben auch, andere Meinungen kritisieren zu können. Erst recht, wenn diese Meinungen bestimmte Menschen diskriminieren.

„Die Sponsoren sollten jetzt Druck ausüben!“

Wir sehen das sehr kritisch. Wir finden es gut, wenn die Geschehnisse im Fußball von den Fans mitbestimmt werden und nicht nur von Geschäftsführungen und Sponsoren. Für die scheint Homophobie zumeist ohnehin erst dann ein Problem zu sein, wenn sie einen Imageschaden befürchten. Weiters kann das Problem von Homophobie im Fußball nicht auf die Fans abgeschoben werden, da Homophobie nicht nur von den Fans ausgeht, sondern auch am Spielfeld, im VIP Club und bei der Berichterstattung stattfindet. Das ganze Problem auf die Fans abzuwälzen, ist zu einfach.

„Wenn es keine Strafen gibt, wird sich nix ändern.“

Wir sind gegen Strafen, erst recht gegen Kollektivstrafen wie etwa Blocksperren oder „Geisterspiele“. Wir wollen als Fans mehr Bewusstsein für das Thema schaffen und setzen auf eine Selbstregulierung der Fanszenen wie beim Thema Rassismus oder Böller – in Zusammenarbeit mit den Vereinen auf Augenhöhe. Wir stehen für lebendige, lautstarke und kreative Fankultur, sind aber gegen Homophobie.

Wir wollen nicht die Emotionen im Fußball verbieten oder verändern – Fußball soll laut, wild und leidenschaftlich bleiben, jedoch ist dies auch möglich, ohne andere Menschen zu diskriminieren. Eine Fankurve soll ein Raum sein, in der sich alle Menschen wohl fühlen können, denn was gibt es Schöneres als gemeinsam im Block zu stehen und den Verein zu supporten, den man liebt. In diesem Sinne – Lieb doch, wen du willst!

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