Homophobie beim Wiener Derby

Wiener Derbys zwischen Rapid und Austria waren in den letzten Jahren stets Begegnungen, bei denen es zu homophoben Ausfällen auf beiden Seiten kam. Eine Verbesserung der Lage war leider auch vergangenes Wochenende nicht anzunehmen.

Diesmal kam es bereits im Vorfeld zu interessanten Diskussionen. Zwei Tage vor dem Spiel gingen die aktiven Fanklubs von Rapid mit einem bemerkenswerten Statement an die Öffentlichkeit (https://www.ultrasrapid.at/…/offener-brief-der-aktiven-gru…/). In der grün-weißen Fanszene soll es zu Fällen sexualisierter Gewalt an Jugendlichen gekommen sein. Im Text heißt es durchaus selbstkritisch, „dass die Beschaffenheit einer Fanszene es dem Mann erleichtert hat, sexualisierte Gewalt auszuüben“. Es wird erklärt, dass in „männerdominierten Kreisen“ mit „starkem Machtgefälle“ Minderjährige besonders gefährdet sind, Opfer sexualisierter Gewalt zu werden und auf professionelle Opferschutzeinrichtungen verwiesen, mit denen bereits Vorgespräche geführt wurden.

Das Wording der Aussendung wird der Problematik absolut gerecht. Sehr kritisch ist jedoch ein Verweis auf einen kürzlichen ermordeten Austriafan zu sehen. Außerdem ist im Text von Homophobie leider keine Rede. Dies wäre wichtig, schließlich ist nicht nur der Männlichkeitskult, sondern auch die in vielen Fanszenen grassierende homophobe Stimmung ein Einfallstor für sexualisierte Gewalt, wie auch in diesem Artikel auf FM4 festgestellt wird: https://fm4.orf.at/stories/2990774/ .

Beim Derby selbst gab dann wie befürchtet einige homophobe Äußerungen: Im grün-weißen Auswärtssektor wurde mehrmals „Schwuler FAK“ angestimmt, homophobe Banner gab es diesmal aber nicht. In der violetten Kurve gab es ein Banner mit der Aufschrift „Beugsame Ultras für immer“ (wobei das „Ultras“ im Stil der Ultras Rapid geschrieben war) und zwei stilisierten Männern beim Analsex. Außerdem wurde ein Spruchband mit dem Slogan „Todesstrafe für Kinderficker!“ präsentiert – was sowohl inhaltlich als auch bezüglich der Diktion klar als rechtsextrem einzustufen ist. Bereits im Vorfeld war die Absbergbrücke, über die die Rapidfans zum Auswärtssektor gehen mussten, mit dem Spruch „UR Kinderfreunde hier lang“ beschmiert worden.

Grundsätzlich möchten wir zum Thema weiterhin auf unsere Stellungnahmen von Februar 2018 verweisen:

https://www.facebook.com/ffghoe/posts/1851214578224261

http://ffgh.blogsport.at/…/zur-aktuellen-diskussion-ueber-…/

Außerdem möchten wir alle Interessierten zum jährlichen Netzwerktreffen der Fußballfans gegen Homophobie einladen, welches dieses Jahr am 11. Und 12. Oktober in Innsbruck stattfinden wird. Dort wird es u.a. einen Vortrag zum Thema Ultras und Männlichkeit geben.

http://ffgh.blogsport.at/…/einladung-zum-netzwerktreffen-a…/

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